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 USA, Miami

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Sayamy
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BeitragThema: USA, Miami   Di Apr 19, 2016 10:09 pm

USA, Miami


Miami.
Für die Welt – Stadt der Sonne, des Urlaubs und der leicht bekleideten Mädchen.
Für mich – Stadt mit einem der besten Einkommensmöglichkeiten.
Es war so leicht Touristen auszurauben. Oder generell Leute, die ihre Tage am Stand verbrachten. Man brauchte nur eine Strandtasche, ein Handtuch und modische Klamotten. Ein Buch als Tarnung und dann musste man sich nur noch einen schönen Tag machen und warten. Beobachten. Und die Chance ergreifen, wenn sich eine unbeaufsichtigte Tasche fand.
Ich gebe zu, es war vielleicht eine zu viel am selben Tag am selben Strand. Vielleicht waren es auch 5 zu viel. Aber üblicherweise hat die Polizei hier auch besseres zu tun, als Taschendieben hinter her zu jagen – Mordfälle aufklären zum Beispiel. Immer hin ist das die Stadt mit der höchsten Mordrate. Einer der Gründe warum ich hier bin. Außerdem ist es schön warm, gut wenn man auf der Straße lebt. Und es ist eben einfach die Leute zu bestehlen, in Strandhäuser einzubrechen, gestohlenes Zeug an Touristen zu verhökern... zu leicht womöglich. Dass ich mich davon hab einlullen lassen könnte einer der Gründe sein, weswegen ich jetzt durch die Straßen renne.
Aber die werden mich nicht erwischen. Ich hab gute Schuhe an, die Tasche ist nicht so schwer das sie mich behindern würde und ich kenne mich hier hervorragend aus. Identifizieren können die mich sowieso nicht. Mein Name findet sich in keinem offiziellen Register – ich ändere ihn öfter. Genau so wie Sonnenbrille und unter einem Basecap versteckte Haare Wunder tun können. Irgendwann schaff ich es sicher auf die Liste vom FBI.
Zeit querfeldein zu verschwinden. Flink schwang ich mich seitlich über einen Gartenzaun – noch über ein paar weitere und dann die Straße rauf, über die Brücke in Richtung Sümpfe. Die waren zwar recht gefährlich, doch dahinter war eine Zugstrecke. Auf Güterzügen konnte man toll mitfahren. Doch anscheinend hatten die Polizisten dazu gelernt... oder einfach Glück. Jedenfall waren auf der Straße bald Sirenen zu hören. Na ganz toll. Autos konnte ich zu Fuß sicher nicht schlagen – trotzdem rannte ich weiter. Aufgeben war nicht meins. Irgendein Ausweg fand sich immer. Und hinter der Brücke in den Sümpfen würden sie mich nicht erwischen können. Leider waren sie schneller. Zwei Wagen blockierten mir den Weg in beide Richtungen. Die Polizisten kamen mit gezogenen Waffen raus – was dachten die, das ich bin? Ein Mörder? Terrorist? Ich wich zurück zum Geländer.
„Stehen bleiben! Hände hoch und Tasche fallen lassen!“
Ich hörte scheinbar, nahm die Tasche – aber nur, weil es so leichter war. Dann streckte ich ihnen die Zunge raus und schwang mich über das Brückengeländer. Dahin würden sie mir jedenfalls nicht folgen. Schwimmen konnte ich, das Wasser hier war warm und die Saltys würden mich schon nicht erwischen. Der Aufprall raubte mir den Atem, dann wurde es schwarz um mich.


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Sayamy
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BeitragThema: Re: USA, Miami   Sa Sep 03, 2016 3:33 pm

cf: Traumwelt, Venezia

Die Welt zu wechseln fühlte sich anders an, als mein sonstiges Teleportieren – nicht, dass ich es schon oft genug bewusst gemacht hätte um von Erfahrung zu sprechen. Zudem hatte ich ein kleines Zielproblem... ich musste zu meinem Bruder. Aber ich brauchte Geld. Ich wollte Geld nicht in der Nähe meiner Familie zu besorgen, weil es zu gefährlich für sie war. Ich konnte nicht einfach direkt an den Orten auftauchen, wo ich Geld besorgen könnte, zu auffällig. Ich durfte nicht dort landen von wo ich gestartet war und auch nicht an einem der anderen Orte auf meiner Tabu-Liste. Nur sah ich bei dieser Art von Wechsel keine Karte vor mir. Vielleicht weil die reale Welt keine Magie aufwies... würde ich von dort überhaupt wieder wegkommen? Klar, ich war ein Weltenwanderer – aber was, wenn das nur auf magische Welten zutraf? Die mit diesem Gedanken aufkommende Panik brachte mich dazu, mich völlig auf ein Ziel zu konzentrieren, dass sicher und in der realen Welt wäre. Wo genau ich dann landete, bekam ich allerdings nicht mit. Denn kaum angekommen, schienen mich schlagartig alle vorher nicht vorhandenen Nebenwirkungen einzuholen.

Wimmernd kauerte ich mich zusammen, Augen zugekniffen. Zu den Kopfschmerzen von Licht und Geräuschen addierten sich dieses Mal noch Gliederschmerzen. Alles schien irgendwie wehzutun. Erst langsam ließ es noch, bis ich schließlich blinzelnd die Augen öffnete. Es war angenehm dunkel, hieß ich war wohl in einem meiner Verstecke. Gut. Sicher. Laut blieb es allerdings... aber als ich mich vorsichtig aufsetzte, stellte ich fest, dass es gar nicht an mir lag. Hier war es einfach so – Musik, viele Stimmen, regelmäßiges Rattern... ein Vergnügungspark! Das hier musste mein Versteck in Disneyland sein. Unter einem der Fahrgeschäfte. Nicht das beste, doch angesichts dessen, dass es anscheinend noch nicht entdeckt worden war, völlig ausreichend. Der Rucksack war auch noch da, also war das erste was ich tat, meine Klamotten wechseln, zurück in die modernen, die ich in Miami angehabt hatte. Haare unter das Basecap und raus. Hier konnte ich wenigsten erstmal aufstocken. Hier gab es mehr als genug mäßig überwachte Geschäfte und unbeaufsichtigte Gepäckstücke. Dauerte nicht lange bis ich einen Vorrat an Nahrungsmitteln, ein paar hundert Dollar und unauffällige Sachen hatte – modern zerfetzte Hose, T-Shirt mit billigem Aufdruck, neue Sneakers. Anders Basecap, Sonnenbrille. So ausgestattet verließ ich den Park. Nicht durch den Eingang – viel zu viele Kameras. Und sinnlos. Nein, ich schlug mich in die dekorativen Büsche und  kletterte kurzerhand über den Zaun. Gott, tat das gut mich wieder richtig bewegen zu können.
Nächster Stop: Autobahn. Anhalter spielen, eine Geschichte erzählen, dass ich englischer Tourist war und mein Jahr zwischen Highschool und College mit einer Rucksacktour durch die USA verbrachte. Fragen, ob ich bis zur nächsten größeren Stadt mitfahren konnte, um mir wieder etwas Geld zu verdienen. Falscher Name. Falsche Geschichte. Falsche Absicht. Dafür, dass ich flüssig genug log um moderne Lügendetektoren aufzutricksen, hatte ich Luna erstaunlich oft die Wahrheit gesagt. Eigentlich sogar immer. Nicht unbedingt alle, aber ich hatte sie nicht angelogen. Dank meinem nettem Fahrer kam ich sogar in einen anderen Bundesstaat, was mehr war als ich erwartet hatte. Und sogar in eine Stadt mit Bahnhof. Hervorragend. Welche genau es war hatte ich nicht mitgekriegt, konnte die Schilder nicht so schnell lesen. Ich wusste nur, dass das Muster der Buchstaben keiner meiner Tabu-Städte entsprach. Spielte auch keine Rolle, ich würde hier nicht lange bleiben. Gerade lang genug um ein weiteres Mal die Klamotten zu wechseln und mir dazu ein Zugticket zu kaufen. Ein Ticket nach New York. Gefährliche Stadt für Leute wie mich, weil sie so bekannt war, allerdings fanden sich dort ein paar Bekannte, die ich jetzt brauchte. Denn um Eden länger zu versorgen, brauchte ich mehr Geld als ich so schnell auf eigene Faust machen konnte. Mir blieb nicht gerade viel Zeit, Luna und die anderen brauchten mich auch. Allerdings waren diese Bekannte alles andere als nette Gesellschaft... ich musste aufpassen. Noch mehr Feinde in dieser Welt konnte ich mir kaum leisten, zudem würde das meine Pläne behindern. Es war eine Sache sich so zu geben, als wäre man der große, taffe Kerl, dem man nicht drohen konnte. Es war etwas anderes tatsächlich ein Mordinstrument zu sein. Ich tat das nicht gerne. Aber... anders ging es nicht.

Wie viel Zeit ich hier eigentlich verbrachte war mir nicht klar. Ich zählte weder die Stunden noch die Tage – zum einen, weil ich nicht mal wusste, wie viel Zeit hier inzwischen vergangen war, zum anderen weil ich nie so recht mit den ganzen Zahlen im Datum klargekommen war. Tage, Wochen, dass konnte ich abschätzen, ansonsten zählten nur die Jahreszeiten. Und sogar da kam ich durcheinander wenn ich innerhalb kurzer Zeit zu oft die Klimazone wechselte. Also machte ich mir keinen Kopf, hatte Luna ja auch keine feste Zeit versprochen, zu der ich wieder da wäre. Hoffentlich glaubte sie mir nur, dass ich überhaupt wieder kam. Sie war mir wichtig. Mit Eden konnte ich nicht einfach abschließen, er war noch zu klein, brauchte die Hilfe... aber ich würde dafür sorgen, dass ich bedenkenlos eine Weile wegbleiben konnte. Ein Jahr oder mehr. Auf der Fahrt nach NY konnte ich wenigstens meinen letzten Rest Kopfschmerzen auskurieren. Zwar hätte ich es bevorzugt mehr Informationen zu haben wie es dort gerade stand, aber letzten Endes wüssten die Leute, an die ich mich wenden wollte, sehr genau wie es in der Stadt stand. Phoenix. Oder eher, Feeniks, wie sie es schrieben – die mächtigste Untergrundorganisation. Besetzten Häuser, nahmen kleinere Gangs unter ihre Fuchtel, hielten etliche Viertel in Schach, hatten Verstecke die groß genug waren um massenhaft Leute zu versorgen. Organisierte Struktur, organisierte Kriminalität. Von illegalem Straßenverkauf, Fälschungen über Drogen und Waffenhandel bis hin zum Auftragsmord war alles dabei. Wegem letzterem kam ich zu ihnen. Griff mir kurzerhand den erstbesten Angehörigen den ich antraf – für geübte Augen waren sie zu erkennen – ließ mich ins neueste Hauptversteck bringen und meldete mich zurück. Hier war ich kein Unbekannter.

„Day – du bist also wieder in der Gegend. Du hörst doch noch auf Day?“ Ich nickte, blieb lässig vor dem Älteren stehen. Wir waren in einem der Untergrundverstecke. Hinter seinem Sessel aus Sperrmüllteilen ragte das Gewölbe eines alten U-Bahn Tunnels majestätisch auf, erhellt von den Flutlichtstrahlern, glänzend vor Nässe. Man hörte das Dröhnen der vorbeifahrenden Züge alle paar Minuten. Vor mir saß nicht wie erwartet Alucard, der bleiche Europäer mit dem slawischen Akzent, sondern Manchez. Vollblutspanier, vorher irgendwo weiter unten im Rang, jetzt mit einer Narbe quer über die kahlrasierte rechte Hälfte seines Schädels. Störte mich nicht sonderlich. In solchen Organisationen gab es immer Wechsel, immer Kämpfe. Deswegen hatte ich einen so verdammt guten Ruf – weil ich trotz Betätigung in unzähligen Bereichen noch lebte, obwohl ich schon früher als die meisten damit angefangen hatte und nur selten auf die Hilfe anderer zählte. Doch ich hatte nicht nur einen Ruf darüber, was ich konnte, wie gut ich war – sondern auch einen über meine Eigenheiten. So würde mich keiner dafür nehmen eine große taktische Aktion zu planen oder zur Datenbeschaffung anstellen. Aber es war auch bekannt, dass ich ein notorischer Einzelgänger war, anderen nicht in die Quere kam, doch fast nie Anfragen um Hilfe stellte. Manchez wusste das so gut wie ich, blickte mich mit funkelnden Augen an. „Also, was verschafft mir die Ehre?“ „Ich brauch Geld. So viel wie möglichst kurzfristig möglich ist.“ „Von was für Beträgen reden wir hier?“ „6-stellig aufwärts.“ Was immer das nun genau bedeutete – aber es war jedenfalls mehr als üblicherweise auf Geldscheinen war, also sollte es reichen. John würde schon wissen, was er damit anstellte. Manchez runzelte erst Mal die Stirn. „Du stellst große Forderungen, kleiner Mann. Es gibt Optionen – aber bist du sie wert?“ Jetzt kam der Teil, den ich eigentlich vermied. Der Punkt an dem ich aufzählte, was ich NICHT tat. „Ich biete dir einen Deal an.“ begann ich langsam. „Gib mir einen Betrag im 7-stelligen Bereich und ich erledige einen Auftrag. Ein Auftrag ohne meine üblichen Bedingungen. Egal was.“ „Und wenn ich ablehne?“ Ein fieses Lächeln hatte sich auf Manchez Gesicht geschlichen. Er wusste genau, dass ich bei so einem Deal mehr auf ihn angewiesen war als andersrum. „Dann mehrere im 4 bis 6-stelligem Bereich, möglichst bald, aber zu den üblichen Bedingungen.“ Jetzt lächelte ich nur stichelnd, zuckte mit den Schultern. „Wenn du mir nichts bieten kannst, such ich mir woanders was.“ Schon war ich wieder im Vorteil. Denn eins war klar: ich hatte die Möglichkeiten mich an andere zu wenden. Andere Organisation, andere Stadt... es gab genug. Doch Manchez konnte sicher sein, dass ich denen auch diesen Deal anbieten würde. Und wenn er mich damit ablehnte, ein anderer es aber annahm, dann könnte es durchaus sein, dass er mein Ziel wurde. Wie das endete wussten wir beide – ich hätte längst Feeniks Oberhaupt werden können, wenn ich es nur je darauf angelegt hätte. In keiner Art von Kampf würde er mir überlegen sein – außer vielleicht wir machten ein Wissensduell. Ich ließ ihn in Ruhe überlegen, wechselte nur mein Standbein. Blickte mich um, während er eine Gestalt aus dem Schatten heranwinkte und mit ihr tuschelte. Schließlich wand er sich wieder mir zu. „In Ordnung. Dein Deal – mein Ziel. Goku hier wird dir alles weitere erklären.“ Leicht nickte er in Richtung des grobschlächtigen Kerles dubios asiatischer Herkunft. Der offizielle Schoßhund wie es schien. Na da bewahrte ich mir lieber meine Freiheit, als so zu enden... doch für den Moment standen wir auf derselben Stufe. Die Unterredung war beendet, weitere Abmachung oder eine schriftliche Festhaltung gab es nicht. Manchez wusste, er wäre tot, wenn er mich verriet. Und ich wusste, dass ich meinen Deal halten musste.

Es war kein schöner Auftrag gewesen. Natürlich nicht. Immerhin hatte ich mich verkauft und das für eine eigentlich gar nicht so große Summe. 3 Millionen. So viel kosteten also meine Grundsätze, zumindest für die richtigen Personen. Die hatte ich auch nicht umsonst... dieser eine Auftrag hatte mich schon genug gekostet. Mich verändert. Mein Geld hatte ich mir ohne weitere Worte abgeholt, mich dann von einem anderem Mitglied direkt nach LA fliegen lassen – Kaede hatte mir noch etwas geschuldet, dafür dass ich ihr mal das Leben gerettet hatte. Sie war nett, doch dieses Mal blickte ich die ganze Zeit nur schweigend aus dem Fenster, hinunter auf die nächtliche Welt. Überall kleine Lichter... und keins davon gehörte meinem Zuhause. Wie viel Zeit vergangen war? Ich wusste es nicht. Ich wollte es nicht wissen, auch wenn ich mich an jedes kleine Detail erinnerte. Viel zu viele Bilder... mir fehlte Luna. Wie es ihr jetzt wohl ging? Noch wusste ich nicht, wann und wie ich wieder zurück kommen konnte – hoffentlich einfach mit der üblichen Methode. Ein paar Mitbringsel hatte ich sogar, ein was für jeden. Nichts zu besonderes, aber vielleicht würde es ihnen etwas nützen. Wenn Eden erst Mal versorgt war, wollte ich nicht so schnell wieder herkommen, brauchte Abstand von allem. Nicht dass ich mir bewusst etwas anmerken lassen würde, aber manche Sachen spiegelten sich eben zwangsläufig im Verhalten wieder. Zumindest blieb mir ein perfekter Rückzugsort, auf der Insel. Für mich genau richtig. Ich könnte den Garten ordentlich machen, die Fischfallen verbessern oder gleich ein Zuchtbecken anlegen, Bäume pflanzen, Hühner holen und Kaninchen, ihnen Ställe bauen, die Kapelle herrichten... doch zuerst musste ich das hier zu Ende bringen.

Die Mitbringsel hatte ich sicher deponiert, auch nicht einfach das ganze Bargeld mitgebracht, sondern einiges in Wertsachen umgetaucht. Gold und so – es wäre sonst einfach zu viel. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wie John das immer vor öffentlichen Ämtern verbarg. Aber bisher lebten sie alle noch, kamen recht gut klar, also musste es ja irgendwas bringen. Doch als ich dieses Mal an der Hintertür klopfte war irgendwas anders. Unser kleiner Garten war ordentlich. Es roch nach Essen. Und es dauerte endlose Minuten bis geöffnet wurde – wenigstens war es John. Nur freute er sich nicht, sondern blickte erschrocken-ernst und schob mich sofort wieder raus, schloss die Tür hinter sich. „Was machst DU hier?“ fuhr er mich an. Ich blickte ihn irritiert an. „Bin wieder da...“ entgegnete ich nur leise, verstand nicht was mit ihm war. Er war doch mein großer Bruder. Er hatte sich immer gefreut wenn ich kam. Sich Sorgen gemacht. Mit mir geredet. Erzählt wie es Eden ging. Nie hatte er mich vor die Tür gesetzt, nur auf meine Bitte hin vor Mum versteckt. „Hab was mitgebracht“ fügte ich noch hinzu, streckte ihm den Koffer entgegen. Mein Bruder zögerte. Strich sich mit der selben Geste wie ich durch die Haare, seufzte ehe er ihn nahm, aber gleich wieder neben sich abstellte. Er blickte mich so traurig-entschuldigend an, dass ich verzweifelte. Was war denn nur los? Gerade jetzt brauchte ich ihn. Irgendwen. „Danny. Du kannst nicht mehr herkommen.“

Mein Bruder hatte nicht wissen können, wie instabil ich gewesen war, als ich zu ihm kam. Ich hatte auch nichts weiter gesagt. Hatte still seiner Erklärung zugehört, dass eingeschweißte Foto und die Hundemarke an mich genommen, mich umgedreht und war gegangen. Weg. Wohin war egal – aber in mir war etwas zerbrochen. Etwas wichtiges, so wie es sich anfühlte. Wie in Trance lief ich durch die Stadt. Wegen Eden, John und Mum hatte ich Luna im Ungewissen zurück gelassen, möglicherweise von mir schwanger, in einer gefährlichen Welt. Um meiner Familie zu helfen hatte ich mich verkauft an den schlimmstmöglichen Abschaum. Und wofür? Um zu erfahren, dass es inzwischen einen Sozialarbeiter gab. Dass John das Sorgerecht für Eden hatte. Dass Eden vom Staat versorgt wurde, wenn er Medizin brauchte. Dass sie beide Schulbildung bekamen. Dass Mum psychische Hilfe bekam. Dass sie mich für tot erklärt hatten und es nun ein Grab mit meinem Namen gab. Ich wurde nicht mehr gebraucht. Ich existierte nicht mehr – hatte es schon lange nicht mehr. Einfach zurück zu Luna gehen konnte ich auch nicht, selbst wenn dieses Geschehen mir deutlich machte, dass ich dort hin gehörte, weil es wirklich meine zweite Chance war. Aber ich konnte einfach nicht, auch wenn ich sicher nicht noch eine Chance bekommen würde. Auch wenn es mich wirklich umbringen könnte noch länger hier zu bleiben – denn gerade steuerte ich auf eine eher gefährlichen Ort zu. Mir war es egal. Was immer war, es spielte keine Rolle. Alles was ich wollte war... vergessen. Und dafür war dieser Ort genau richtig. Dort würde mich niemand fragen was war, waren alle Gesichter namenlos. Ohne Geschichte. Ohne Zukunft. Einfach nur ein bisschen jetzt ohne Fragen. Wie alt ich war fragte keiner. Alles was ich tat war mir eine Flasche Wein nehmen und mich in dieser schmuddeligen Lasterhöhle in eine Ecke zu verziehen. Ich hatte kein Problem mit Trinken oder Drogen oder sonst etwas, ich wollte einfach nur vergessen was passiert war. Da gab es wirklich genug Dinge. Schon halb benebelt – wenn auch mehr von den Erinnerungen als vom Alkohol – beobachtete ich einen jungen Mann mit blauen Haaren, der offensichtlich Drogen konsumierte. Bis auf einige Male mit harmlosen Sachen hatte ich noch nie sowas probiert, aber ich hatte auch nicht vor so bald wieder in diese Welt zu gehen, also...  „Willste was ab?“ Blauschopf schien mein Interesse bemerkt zu haben. Leicht nickte ich. Was immer das war, solange es half zu vergessen, war es gut. „Hast Geld?“ Hatte ich natürlich nicht. Das wenige, was ich mir zurück behalten hatte, war für den Eintritt hier und die Flasche Wein drauf gegangen. Ich hatte ja auch nicht geplant nach dem Besuch bei John noch hier zu bleiben. „Hab nichts, außer dem was ich am Leib trage.“ antwortete ich mit rauer Stimme. Mein neuer Bekannter lächelte nur und kam zu mir rüber. „Nun, was du hast ist für mich nicht von Wert...“ Er beugte sich dicht zu mir. „...aber wenn du etwas weniger hast, kannst du damit bezahlen ohne etwas abgeben zu müssen“ Das flüsterte er dann nur noch, doch ich verstand ihn trotzdem, wusste auch genau was er meinte. Im Vergleich zu dem was ich vorher getan hatte war es nichts. Nur ein kleiner Preis für Vergessen. Verbal stimmte ich seinem Angebot nicht zu, doch dass ich nicht ablehnte war Zustimmung genug. Es war auch nichts, was ich nicht schon mal gemacht hatte – ich war ein hübscher Junge. Außergewöhnlich, mit den langen, leicht lockigen goldblonden Haaren und den himmelblauen Augen im Gesicht mit asiatischen Zügen, der sonnengebräunten Haut. Viele Mädchen und Frauen mochten das. Auch einige Männer. Wie der Blauschopf mit seinen Drogen. Nur eine Einkommensquelle für verzweifelte Situationen. Nur ein Preis für das Vergessen...

Von diesem Tag – oder waren es mehrere? - erinnerte ich mich nicht mehr an viel. Nur Fetzen von gemeinsamen Trinken, Anleitung zu Drogen, daraus resultierenden Träumen die sich mit dem Rest Realität vermischten. Bunte Schlieren überdeckten ganze Szenen. Gespräche mit Alptraumgestalten. Sanfte und grobe Berührungen. Als ich schließlich wieder zu mir kam, fühlte ich mich steif. Wieder tat alles weh, besonders mein Rücken. Doch wenigstens war es ein realer Schmerz, nicht hervorgerufen durch Magie, alles mit erklärbarer Ursache. Alkohol, Drogen, der Preis für beides... doch das am Rücken war anders. Vorsichtig drehte ich mich auf die Seite. Registrierte die dünne Decke über mir. Den warmen Körper neben mir – Blauschopf saß da, beobachtete mich. Blickte mich an wie John, was ich eindeutig nicht ertrug. „Du hattest es wirklich nötig...“ flüsterte er in Rücksicht auf meine Kopfschmerzen. Sanfte Finger strichen durch meine Haare. „Kleiner – was ist in deinem Leben schiefgelaufen, dass du so viel weinen musst?“ Geweint? Hatte ich das? Ich blieb still liegen, auch als er mir den Hals küsste und das Gesicht in meinem Nacken vergrub. Irgendwo brauchte ich diese sanfte Aufmerksamkeit auch – Luna würde sie mir nicht geben können. Mit ihr könnte ich vielleicht nie darüber reden, was passiert war. Dabei kannte ich nicht mal seinen Namen... Taegean? Nein, Taggart... „Du hast vom Mond geredet. Von Rittern und Schmieden. Und immer wieder von einem Phönix, den du auf keinen Fall vergessen darfst...“ Seine Finger wanderten über meinen Rücken – es tat nur ein bisschen weh. Fragen was da war tat ich nicht, wollte ihm einfach nur zuhören. Noch eine Weile liegen bleiben, den Moment nicht zerbrechen. „Es war deine Idee – ein Tattoo. Ist gut geworden, auch wenn ich nicht weiß, welche Bedeutung es für dich hat...“ Wunderbar. Noch ein dauerhafter Körperschmuck. Wo ich so was aus Gründen des Wiedererkennens ansonsten grundsätzlich vermied. Aber ich würde ja nicht hier bleiben. Musste zurück zu Luna. Das hatte ich ihr versprochen, auch wenn sie mich jetzt vielleicht auch nicht mehr brauchte. Taggarts Finger zogen sich zurück, die Wärme von ihm neben mir verschwand. „Du schuldest mir nichts“ Stoff raschelte, anscheinend zog er sich an. „Bleib oder geh, wie du willst. Deine Sachen sind alle noch da“ Eine Tür fiel ins Schloss, dann war es still. Eine Weile oder auch eine Ewigkeit blieb ich noch einfach liegen, ehe ich schließlich die Augen öffnete und zum ersten Mal meine Umgebung wahrnahm. In der Lasterhöhle war ich nicht mehr, sondern anscheinend in einer kleinen Wohnung. Ziemlich unordentlich – aber meine persönlichen Sachen lagen vollständig auf dem Nachttisch. Zusammen mit noch einem Päckchen weißem Pulvers. Ein Abschiedsgeschenk? Geste aus Mitleid? So oder so würde ich es nicht mitnehmen. Es würde zu nichts gutem führen, selbst wenn das, was ich vergessen hatte, langsam wieder kam, so unerträglich wie vorher. Aber ich kannte meine Grenzen. Bloß weil ich sie einmal verkauft hatte musste ich sie nicht komplett aufgeben. Ich nahm mich zusammen und stand auf. Suchte ein paar halbwegs frische Klamotten zusammen und zog mir zumindest eine Hose und Schuhe an, ehe ich ins Bad stolperte. Das Licht dort war viel zu hell, aber ich wollte sehen, was für ein Tattoo das nun war. Weg bekam ich es nicht, ansehen konnte ich es mir trotzdem. Es war tatsächlich gut geworden – ein Vogel, der seine Flügel über meine Schulterblätter streckte. Nicht symmetrisch. Konnte ein Phönix sein, aber auch ein Adler. Auch nicht einfach nur schwarz, sondern in feinen bläulichen Schattierungen, die meine Augenfarbe im dunkelsten Widerspiegelten. Die Kanten waren klar gezogen, doch rings um den Hauptkörper waren kleine Muster – wie Flammen oder Blutspritzer, violett-rötlich über orange bis zu gelbgold. Sie fügten sich gut ein, vertuschten meine unzähligen Narben. Ein wirklich gutes Tattoo, auch wenn ich es immer noch lieber nicht hätte. Doch wie bei dem Halsreif würde ich mich wohl daran gewöhnen. Nachdem ich es mit einer Salbe eingeschmiert hatte zog ich mir endlich ein T-Shirt drüber, aß kurz noch etwas und ging dann. Taggart war nett. Unter anderen Umständen wäre ich bei ihm geblieben, in seiner Welt von Freiheit, wo mich ein früher Tod erwartete. Doch ich hatte noch eine Verpflichtung – Luna. Luna und das Kind, dass sie vielleicht trug. Das ich anstatt von Eden vielleicht versorgen musste. Das vielleicht sogar meins war. Aber ich hatte es ihr versprochen, bevor ich gegangen war – dass ich zurück kam. Und wo sollte ich denn sonst hin? Jetzt hatte ich sonst niemanden mehr. Ich musste nur aufpassen, dass weder sie noch Alex oder Brokk etwas davon mitbekamen, was ich getan hatte und wie es mir damit immer noch ging.

Tbc: Traumwelt, See mit Insel

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